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Tour Philosophie - Ontologie
Freigegeben von: Wolfgang Melchior
Philosophie: Tour

Index:

  1. Ontologie
  2. Epistemologie (Erkenntnistheorie)
  3. Ethik
  4. Politische Theorie
  5. Ästhetik
  6. Gesellschafts- und Geschichtstheorie





1. Ontologie (Philosophie Tour)

1.1. Einleitende Bemerkungen
Wie dem
Navigator zu entnehmen, habe ich mich für eine unter vielen möglichen Unterteilungen der Philosophie entschieden, die nach Ontologie, Epistemologie, Ethik, Politischer Theorie, Gesellschafts- und Geschichtstheorie und Ästhetik. Will man dies rechtfertigen, so ließe sich eine Hierarchie vom Abstrakteren zum Konkreteren und vom Allgemeinen zum Besonderen heranziehen.


Die Frage nach der Ontologie ist dermaß allgemein, daß sie von allen wissenschaftlichen Gegenständen, ja sogar von Wissenschaften als ganzen gestellt werden kann: die Biologie befaßt sich lediglich mit dem Menschen als Naturwesen, die Sozialwissenschaften als Gemeinschaftswesen, die Wirtschaftswissenschaften mit dem Menschen als nutzenorientiertes Wesen, um nur die drei wichtigsten Humanwissenschaften zu nennen.

Jedesmal liegt eine bestimmte Ontologie zugrunde, ein Universum dessen wird vorausgesetzt, worüber in der jeweiligen Disziplin oder Wissenschaft geredet werden soll und von dem zu reden Sinn machen soll.


Hier bereits soll sichtbar werden, wie falsch eine krasse Trennung der Teildisziplinen Ontologie, Epistemologie, Ethik und Ästhetik wäre. Das "Soll" zeigt bereits, daß eine Ontologie nicht einfach so gegeben ist, sondern ihr bestimmte, manchmal mehr oder weniger umstrittene Entscheidungen vorausgehen (soll etwa die Astronomie den "Anfang der Zeit" zu ihrem Gegenstand machen?). Die Auffassung, daß eine Ontologie unabhängig von epistemischen Einstellungen des Menschen gegeben ist, nennt man nach Hilary Putnam metaphysischer Realismus (metaphysical realism; auch God?s Eye View genannt), die Aufassung, daß eine Ontolgie nur innerhalb von Theorien Sinn macht (ergo: epistemisch gebunden ist) wird Interner Realismus genannt.
Letztlich ist es auch möglich, und ist in der Philosophiegeschchte auch gelegentlich gemacht worden, Fragen der Ontologie auf die Fragen Ethik ("Was soll ich tun?") zurückzuführen (nicht zu reduzieren). Unter der Prämisse, daß eine Ontologie nicht einfach gegeben ist, sondern Wertentscheidungen zur Selektion verlangt, läßt sich auch eine gute Sache für die Ontologie als Ethik machen. Und auch Fragen der Ästhetik sind selbst in den Naturwissenschaften nicht unberücksichtigt gelassen worden (Schönheit und Einfachheit eines wissenschaftlichen Sytems waren Begriffe, die Einstein immer wieder in seinem Disput mit den Quantenphysikern ins Spiel brachte).


Fragen der Ontologie betreffen alle Wissenschaften, werden von diesen selbst jedoch meist nur in Zeiten von Grundsatzdiskussionen, Grundlagenkrisen oder Umwälzungen herangezogen.(vgl. T.S. Kuhn: The Structure of Scientific Revolutions, Chicago, 2nd Ed. 1970).


1.2. Historischer Abriss:

Ontologie (von gr. on = das Seiende und gr. logos
= die Lehre; vgl. Entität (engl. entity) von lat. ens=
das Seiende) ist die Lehre von dem, was ist. Historisch war sie
der Teil der Metaphysik,
der herauszufinden sich vornahm,

- was wirklich ist im Gegensatz zu dem dem, was nur scheinbar
ist.
- was grundlegend ist (substantiell) und was nicht (akzidentiell).

Platon und Aristoteles
verwenden den Begriff zwar nicht explizit, sind jedoch als Urväter
systematischer Ontolgien anzusehen. Gerade Platons Zwei-Weltenlehre
im Staat (Welt der Ideen und Welt der Erscheinungen) bildet die
Grundlage für alle weiteren Ansätze von Ontolgien.


Erst seit Wolff (1679-1754; Hauptvertreter des Rationalismus)
hat sich der Ausdruck in der philosophischen Episprache zunächst
im Deutschen, später in ganz Europa eingebürgert. Von
Kant ist er in der Kritik der reinen Vernunft als unwissenschaftlich (weil metaphysisch) abgelehnt worden.

Nach Hegel gerinnt er zur "Lehre von den abstrakten Bestimmungen
des Wesens" (im Gegensatz zu den konkreten, dialektisch vermittelten)
und wird erst wieder durch den Existentialismus
und eine metaphysische Rückbesinnung in der ersten Hälfte
diese Jahrhunderts vor allem durch Hartmann und Heideggers Fundamentalontologie
[1] unwiederbelebt

Als metaphysische Teildisziplin beschäftigte sich die Ontologie im wesentlichen mit dem Gegensatz von Sein und Schein. Bestimmten
Gegenständen in der Welt sollte mehr Realität zukommen als anderen. Diese Gegenstände höherer Realitätstsufe
sollten so etwas wie die Substanz(en) [2]der Welt darstellen, und nahelegen, daß es sich dabei rundbausteine
des Universums handelte. Das Wesen oder essentia der Dinge ist ein damit verwandter Begriff.

Darüber hinaus ist die Ontologie (selbst heute) unmittelbar mit der Epistemologie (Erkenntnistheorie) verbunden. Wahre Erkenntnis wird dabei gleichgesetzt mit einer Erkenntnis des Wesens der Dinge.
Zwei Spielarten dieses Wesensmodells haben sich in der Philosophie gehalten: Idealismus und Materialismus (siehe Navigator/Erkenntnistheorie).


Heute wird Ontolgie nur mehr selten in seiner metaphysischen Bedeutung
verwendet (als Seinslehre). Vor allem in der KI-Forschung - unter
den Begriffen der formalen Ontologie oder Konzeptualisierung kursierend
- wird darunter der universe of discourse verstanden.




1.3. Ontologie: Konzepte



1.3.1 Kurzdefinition:

Das Webster?s Dictionary
definiert Ontolgie:

"1.a branch of metaphysics relating to the nature and relations
of being

2.a particular theory about the nature of being or the kinds of
existence"


Ontolgie ist nach der Principia Cybernetica Web

"that part of metaphysics that specifies the most fundamental
categories of existence, the elementary substances or structures
out of which the world is made. Ontology will thus analyse
the most general and abstract concepts or distinctions that underlie
every more specific description of any phenomenon in the world
,
e.g. time, space, matter, process, cause and effect, system."
(Principia Cybernetica Web: Ontology,
Hervorhebungen W.M.)




1.3.2. Metaphysisch-informelle Konzepte: Platon und Arsitoteles


In dieser metaphysischen Tradition war dabei der Gegensatz von Aristoteles und Platon wegweisend: der Platonische Idealismus sah in den Erscheinungen nur Abbilder von sog. Ideen. Platon ging
dabei von einer epistemischen = erkenntnistheoretischen) Annahme
aus: daß die Wahrnehmungen nicht gewiß sind, da sie täuschen können (täuschende Meinung = [gr.]
doxa). Demgegenüber würden die in der Theorie (theoria [gr.] = geistiges Schauen) gewonnenen Begriffe unwandelbare und sichere Erkenntnisse (Wissen = [gr.] episteme)
liefern. Dazu durften die Begriffe jedoch sich nicht auf die wandelbare Welt der Erscheinungen des kosmos aisthetos (= [gr.] wahrnehmbar sinnliches Reich) beziehen oder aus ihr gewonnen werden, sondern auf ein Reich ewiger und unwandelbarer Ideen (kosmos noumenos= [gr.] das verstandesmäßig erfaßbare, geistige Reich), welches übersinnlich über der Empirie thront.

Für Platon waren diese Ideen die wahrhaft existierenden Dinge in der Welt, während die sinnlich wahrnehmbaren Gegenstände
der Empirie nur "Schatten" dieser Ideen sein sollten (vgl. Höhlengleichnis im
Staat [Politeia]; The Republic,
Buch VII, 514a ff).
Nur den Ideen sollte Existenz zugesprochen werden, während die Welt der Empirie nur ein abgeleitetes Sein besitzen sollte:
Platon redet einmal von der Teilhabe der Dinge an der (ihrer)
Idee, dann von der Anwesenheit der Idee im Ding und zum dritten von einer Urbild-Abbild-Ähnlichkeit zwischen Ding und Idee. Auch wenn alle drei Bestimmungen nicht onsistent sein mögen (vor allem Ähnlichkeitsbeziehung und Teilhabebeziehung),
wichtig ist, daß für Platon das Wesen der wahrnehmbaren
Dinge außerhalb und vor diesen lag ("universalia ante rem").

Dagegen nahm Aristoteles an, daß das Wesen (auch [gr.] ousia)
in den Dingen liege ("universalia in re(bus)").
Die Begriffe seien Abstraktionen, die so gebildet würden wie die Naturwissenschaften dies täten: nach gattungsmäßig Gemeinsamen (genus communis) und spezifisch Besonderem
(differentia specifica) eintzuteilen. So würden wir den Begriff Mensch nicht wahrheitsgemäß verwenden,
weil er sich auf eine Idee des Menschlichen in einem Ideenhimmel (wie Platon dies annahm) bezöge, sondern weil allen Menschen etwas gemeinsam sei (genus), welches sie von anderen Lebewesen
unterscheide (differentia specifica): die Vernunft.

Im Aristotelischen Materialismus gibt es keine Welt übersinnlicher
Objekte (Ideen), die wahrhafte Existenz besitzt, sondern nur die
Welt sinnlicher Objekte, die aus Stoff (Materie), Form und ihnen
immanenten Entwicklungsgesetzen (siehe: Entelechie) bestehen.



1.3.3. Der Universalienstreit - Nominalismus vs. Universalismus


1.3.3.1. Was sind Universalien?
Universalien sind Allgemeinbegriffe, d.h. Begriffe, unter die bestimmte Gegenstände fallen. Andere Ausdrücke für Universalien sind Gattung oder Klasse. Allgemein sind diese
Begriffe (im strengen Sinne jeder Begriff), weil sie äquivok (d.h. unter Verwendung derselben Zeichen und Laute) von vielen
konkreten Einzeldingen ausgesagt (oder attributiert) werden können, diese Einzeldinge zusammenfassen und allgemein bezeichnen. Beispiel
für eine Universalie ist die Klasse aller Pferde, die mit dem Begriff "Pferd(e)" bezeichnet wird.

Universalien bezeichnen also keine Einzeldinge ("dieses konkrete Pferd"), sondern stets Klassen von solchen. Die
Frage, die sich einst wie heute erhob bzw erhebt, ist, ob diese Universalien/klassen


  1. überhaupt irgendeine Existenz besitzen ("sind sie wirklich?")
  2. getrennt und unabhängig von den Einzeldingen existieren ("sind sie auf eine andere Art wirklich?") sowie
  3. auf eine höhere Weise wirklich sind als die konkreten Einzeldinge ("sind sie wirklicher als die konkreten Erscheinungen?")


Fragt man, welche Wortarten Universalien sind, so fällt die Antwort nach der obengenannten Defintion relativ prompt aus:
alle außer Eigennamen, also Adjektive, Substantive, Verben, Attribute, Pronomen usw. Logisch ausgedrückt: alle mehr als
0-stelligen Prädikate (Namen).


1.3.3.2. Lexikoneintrag zum Nominalismus


Nominalismus (vom lat. nomen, "Name",
"Bedeutung"), philosophische Anschauung, wonach dem
Allgemeinbegriff, den
Universalien,
außerhalb des Denkens nichts Wirkliches entspricht, die Begriffe also nur subjektive Bewußtseinsgebilde sind, und zwar selbständige Denkgebilde, was der Konzeptualismus annimmt, oder bloße sprachliche Namen (lat. nomina),
was der strenge N. lehrt, nach welchem die "Universalien", d.h. die Allgemeinbegriffe, nur Worte sind, .... (in: Philosphisches
Wörterbuch, hg. von G. Schischkoff, Stuttgart 1965)



1.3.3.3. "Der Universalienstreit:
- historisch: Duns Scotus vs. William von Ockham"


William von Ockham und der Nominalismus- Vorverständnis zum historischen wie heutigen Universalienstreit

- siehe dazu: Stegmüller: Der Universalienstreit Einst und
Jetzt, in: Glauben, Wissen und Erkennen, Das Universalienproblem einst und jetzt, S. 48-118, [S. 58-81 (Geschichtliches)], Darmstadt 1965




Der Streit zwischen Ockham und Duns Scotus
"The great revival of philosophical and theological study which
the thirteenth century witnessed was conditioned by the influence
of Aristotle. The theory of the universe propounded by the Stagirite
had to be reconciled with the traditional Platonic-Augustinian
realism. This Thomas Aquinas undertook to do, following, Aristotle
as closely as possible. Duns Scotus, on the other hand, attempted
to maintain the ancient realism, while supporting it by modern
or Aristotelian methods. Interests and tendencies, however, came
up in his work which drove his disciples away from his position.

The growth of empirical research and psychological analysis together
with the new activity of the reason in the epistemological field
on the one side, and the recognition of the fact that the specific
and the particular was the end of nature on the other, led to
results widely divergent from those of Scotus. Here was Ockham's
work ready to his hand. He was the leader of the nominalists,
the founder of the "modern" school. Science has to do,
he maintains, only with propositions, not with things as such,
since the object of science is not what is but what is known.
Things, too, are always singular, while science has to do with
general concepts, which as such exist only in the human mind.
Scotus had deduced the objective existence of universals
from the concepts originated under the operation of the objects.
Ockham, on the other hand, asserts that "no universal
is a substance existing outside of the mind,"
and proves
it by a variety of keen logical reasons. He rejects even the milder
forms of philosophic universalism, such as the theory that the
universal is something in particulars which is distinguished from
them not realiter but only formaliter.
He considers the universal without qualification as an "intention"
of the mind, a symbol representing conventionally several objects.
In respect of the theory of cognition, where Duns Scotus had placed
between the perceiving subject and the object perceived a "sensible
species" and an "intelligible species," Ockham
considers these as superfluous machinery. Objects call
forth sense-impressions in us, which are transmuted by the active
intellect into mental images. These images are thus a product
of the intellect, not species which flow from the object into
the intellectus possibilis. The reality of these images is thus,
in the modern use of the terms, not objective but subjective.
This is true not merely of the "terms of first intention"
formed directly from sense-impression, but also of the "terms
of second intention," i.e., the abstract terms which take
note of common attributes, or universals. These latter correspond
to a tendency of the human mind, which can not perceive individuals
without at the same time attempting to form a general concept.
A white object simultaneously suggests abstract whiteness; an
extended, related, enduring object forces the conception of extension,
relation, duration. The result of this line of reasoning is the
absolute subjectivity of all concepts and universals and the limitation
of knowledge to the mind and its concepts-although these are real
entities because of their subjective existence in the mind, reproducing
the actual according to the constitution of the mind. Thus Ockham
is really the pioneer of modern epistemology. The mysterious
universals with their species in the sense of objective realities
are abolished
. Objects work upon the senses of men, and out
of these operations the active intellect frames its concepts,
including the so-called universals, which, while they are in themselves
subjective, yet correspond to objective realities. By the statement
that science has nothing to do directly with things, but only
with concepts of them, the theory of knowledge assumes vital import
for the progress of science, and a new method of scientific cognition
is made available. Of course this increases the difficulty of
the task of theology. However, Ockham was essentially of a skeptical
and critical temperament, of great critical acumen, but (especially
in the religious province) he was by no means equally great in
constructive ability. He did not have the broad general conception
of religion which guided his master Scotus through his attempts
to criticize the old evidences and bring up new ones. Where Ockham
shows its power at all, it is usually simply borrowed from Scotus.

(in: Internet Encyclopedia of Philosophy: Ockham, William
of@ href="http://www.utm.edu:80/research/iep/" target="neu">Internet Encyclopedia of Philosophy;
Hervorhebungen von W.M.)

Weitere Literatur:

  • Ockham on Universals: Macquarie University, R.J. Kilcullen

  • Papers on Medieval Philosophy, Philosophical Dpt. of Macquarie University

  • Ockham on Universals: Macquarie University, R.J. Kilcullen





    1.3.3.3.1. Formelle Konzepte der KI

    Am griffigsten, weil an der praktischen Anwendung orientiert, wird der Ontologiebegriff in der KI-Forschung. Dort spricht man auch häufig von einer formalen Ontologie, der Spezifikation einer Konzeptualisierung oder dem universe of discourse.
    Dabei geht es weniger um das Wesen oder die Natur der Dinge, um die Frage, ob bestimmten Gegenständen der Welt mehr oder weniger Realität zukommt, sondern um die Frage, wie eine Maschine ausgestattet sein muß, damit sie die Objekte und
    Relationen richtig abbildet, die wir Menschen für wahr halten. Ausgangspunkt ist dabei, daß das Existenzprädikat ("ist",
    "existiert") synonym ist mit dem, was eine Maschine repräsentieren ("verarbeiten") kann:

    "For AI systems, what "exists" is that which can be represented. When the knowledge of a domain is represented in a declarative formalism, the set of objects that can be represented is called the universe of discourse. This set of objects, and the describable relationships among them, are reflected in the representational vocabulary with which a knowledge-based program represents knowledge. Thus, in the context of AI, we can describe the ontology of a program by defining a set of representational terms." (Tom Gruber: What is an ontology?)

    Damit ist
    "an ontology ... a description (like a formal specification of a program) of the concepts and relationships that can exist for an agent or a community of agents."

    Jetzt sollte auch der unmittelbare Zusammenhang zwischen Ontologie
    und Epistemologie klargeworden sein: jenseits des universe of discourse gibt es keine Objekte; über sie gibt es nichts zu sagen, weil es nicht von einem repräsentierenden Vokabular erfaßt wird.

    siehe auch weitere Literatur:
  • T. R. Gruber. A translation approach to portable ontologies. Knowledge Acquisition, 5(2):199-220, , 1993.

    Und ausfürhrlicher:
  • T. R. Gruber. Toward principles for the design of ontologies used for knowledge sharing.
    (Presented at the Padua workshop on Formal Ontology, March 1993,
    to appear in an edited collection by Nicola)

    Beiden Traditionen - der metaphysischen sowie der KI - gemeinsam
    ist die Ansicht, daß Ontolgie sich mit den grundlegendsten Kategorien dessen befaßt, was erkennbar ist.





    4. Formaler Ansatz der Logik:

    Allgemein gilt (nach
    Quine): "to be is to be the value of
    a bound variable" (W.V.O. Quine: From a Logical Point of View, p.
    16)
    Variablen, im Gegensatz zu Konstanten haben einmal einen Wertebereich
    und können zum zweiten durch sogennate Quantoren (Existenzquantor,
    Allquantor) gebunden werden.



    In einer nominalistischen prädikatenlogischen) Sprache gibt
    es nach
    Stegmüller (W. Stegmüller, Das Universalienproblem, S. 52) folgende Sprachmittel:

    1.) Individuenvariable, deren Wertebereich konkrete Objekte sind

    2.) generelle Prädikatausdrücke (ein-, zwei, n-stellige
    Prädikate)

    3.) logische Konstanten wie "nicht", "und",
    "oder"

    4.) Quantoren "für mindestens ein x gilt", "für
    alle x gilt"

    In einem platonistischen System gibt es lediglich einen Unterschied:
    die Individuenvariablen können als Wertebereich auch abstrakte
    Objekte wie Klassen, Eigenschaften, Wesenausdrücke usw. enthalten.

    Damit ist ein nominalistisches Universum (Ontologie) um eben diese
    abstrakten Objekte ärmer (Ockham hatte dies in seinem später als Ockham?s Rasiermesser bezeichneten Prinzip
    gefordert: "Pluralitas non est ponenda sine neccesitate".
    Vielheit sollte nicht ohne Notwendigkeit vermehrt werden.)


    Generell vs. singulär und abstrakt vs. konkret
    Generell sind Behauptungen dann, wenn sie nicht von einem mit
    einem Namen belegten Objekt (Einzelding) eine Wahrheitsbehauptung
    treffen, sondern diese von allen des Wertebereichs. Alle anderen
    bezeichnet man als singuläre Aussagen, da sie nur singuläre
    Terme ("Namen") und logische Konstanten enthalten.
    Der Unterschied zwischen konkret und abstrakt bezieht sich auf
    den Wertebereich der Variable. Konkret sind alle die Objekte,
    die sinnlich wahrnehmbar sind (ob unmittelbar oder mittelbar),
    während als abstrakt alle anderen gelten sollen.

    Beispiele:
  • singuläre abstrakte Terme: das Menschsein (Menschlichkeit), die Röte, Freiheit

  • singuläre konkrete Terme: Nele, Franz, Gabi, Hans-Sixtus, Tobi, München

  • generelle konkrete Terme: Mensch, rot, frei
  • generelle abstrakte Terme: Das Sein des Seienden?

    Entschiedend für den Nominalismus-Universalismus-Streit ist die Meinungsverschiedenheit über den Status singulär abstrakter Terme : sind sie Namen von abstrakten Entitäten oder nur eine abkürzende Redewendung.

    Anders steht es bei den generell konkreten Terme. Diese können
    von jemanden, der abstrakte Entitäten in einem platonischen
    Himmel ablehnt, als sog. offene Sätze umformuliert werden:
    Mensch wird zu einem offenen Satz: "x ist ein Mensch", wobei 1. die Variable durch einen singulär konkreten Term (z.B. Franz) ersetzt und 2. die Bindung durch einen Quantor (z.B. "für mindestens ein x gilt") vorgenommen werden muß, um dem Term einen Sinn zu verleihen:

    "Franz ist ein Mensch"
    "für mindestens ein x gilt: x ist ein Mensch" (anders: "es gibt Menschen")

    -------------------------------------------------------
    Fußnoten:



    [1] Man beachte hier die "überbietungstendenzen"
    (neg. formuliert) oder den Hang zur "Vergrundsätzlichung"
    in der Philosophie: - Fundament(1): Philosophie selbst schon soll
    die ursprünglichen und grundsätzlichen Fragen beantworten,
    die die empirischen Wissenschaften entweder übriglassen oder
    ihnen vorausgehen. - Fundament(2): als deren Teil wurde die Metaphysik
    als "prima philosophia" verstanden, als Erste Philosophie,
    die den Boden für die materialen philosophischen Disziplinen
    (vor allem: Erkenntnistheorie, Ethik) bereiten sollte. - Fundament(3):
    als Teil der Metaphysik ist die Ontologie der Teil der Metaphysik,
    der die fundamentalsten Kategorien von Existenz spezifizieren
    wollte. - Fundament(4): die Heideggersche Fundamentalontologie
    (generell die existentialistische) ist damit das - in logischen
    Klammern - Fundament(Fundament(Fundament(Fundament der Einzelwissenschaften)))


    [2] Substanz (von lat. substantia = das Zugrundeliegende).
    Je nach Anzahl der angenommenen Substanzen redet man von einem
    ontologischen Monismus (nur eine Substanz), Dualismus (zwei Substanzen)
    oder Pluralismus (viele Substanzen). Siehe Philosophischer Navigator/Ontolgie

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