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Rawls - Theory of Justice: Kapitel 6: Die Vierstufenfolge
Freigegeben von: Wolfgang Melchior
6. Die Vierstufenfolge


Gerechtigkeit als Fairness geht davon aus, dass moralische
Prinzipien fuer eine Gesellschaft nur dann valide sein koennen,
wenn sie in Situationen vereinbart wurden, in denen gewisse
Symmetriebedingungen erfuellt sind. Da diese
Symmetriebedingungen jedoch fuer wirklich existierende
Gesellschaften nie bestehen, konstruiert Rawls eine
Vierstufenfolge, an dessen Anfang das Fairnessprinzip vollkommen
gilt: alle Personen verpflichten sich, sich an einmal getroffene
Vereinbarungen zu halten, komme was wolle. Die darin gewaehlten
Prinzipien sind gerecht, weil sie einer fairen Situation
entspringen. Diesen Zustand nennt Rawls Urzustand.
Anschliessend, in der zweiten Stufe, begeben sich die
Gesellschaftsmitglieder in eine verfassunggebende Versammlung,
in der das politische und rechtliche System festgelegt wird. Die
Verfassung hat die Aufgabe, die Rechte aller
Gesellschaftsmitglieder als gleiche und freie Buerger
sicherzustellen, d.h. das Erste Prinzip zu implementieren. In
der dritten Phase werden die Hintergrundinstitutionen der
Gerechtigkeit (background institutions of justice) bestimmt, die
auf bestimmte allgemeine soziale und wirtschaftliche Probleme
der Gesellschaft Bezug nehmen. Sie sind weitgehend mit dem
Modell eines demokratischen modernen Sozialstaates
deckungsgleich und haben die Aufgabe, das Zweite Prinzip
umzusetzen. In der vierten Phase werden alle bis dahin
vereinbarten Prinzipien und Regeln auf Einzelfaelle durch
richterliche oder administrative Akte angewandt.

(Einen Ueberblick ueber die vier Stufen gibt die Tabelle im
Anhang.)

Im Verlaufe dieser Vierstufenfolge erhalten die Parteien immer
mehr Kenntnis von ihrem persoenlichen, sozialen und
oekonomischen Umfeld. Der Schleier des Nichtwissens (siehe
ausfuehrlich im naechsten Kapitel) wird nach und nach
"gelueftet".

Das Modell ist demnach deszendent, insofern als es sich von
allgemeinsten Prinzipien zu immer spezifischeren Regeln
vorarbeitet und die Prinzipien einer vorigen Stufe auch gueltig
sind fuer die naechste. Was heisst das? Zu Beginn stellt Rawls
seine Konzeption als strict compliance theory (auch: ideal
theory) vor, d.h. er nimmt an, dass jede kontraktualistische
Loesung der ersten Stufe (Urzustand) nicht nur optimal, sondern
auch stabil, ja mehr noch, selbststabilisierend ist. Der gesamte
dritte Teil der Theorie der Gerechtigkeit versucht, diese
Behauptung zu rechtfertigen. Natuerlich negiert Rawls nicht die
Tatsache, dass kein noch so gueltig abgeleitetes Prinzip
vollkommen befolgt und umgesetzt wird (werden kann) und dass die
alltaeglichen draengenden Probleme aus der teilweisen Befolgung
(partial compliance) irgendwelcher Normen resultieren63, jedoch:
"The reason for beginning with ideal theory is that it provides,
I believe, the only basis for a systematic grasp of these more
pressing problems" (TJ 9). Rawls ist ueberzeugt, dass wir der
Praxis nur dann systematisch beikommen koennen, wenn wir einen
idealen theoretischen Standpunkt besitzen und angeben, von dem
aus wir diese Praxis beurteilen.

Jede weitere der vier Stufen entspricht damit dem Zustand einer
Gesellschaft vom Standpunkt der Gerechtigkeit und unterscheidet
sich durch drei Parameter von ihrer vorigen:

- allgemein: realitaetsnaeher, mehr der empirisch beobachtbaren
Praxis entsprechend,

- die einzelnen Personen betreffend: die Personen besitzen mehr
empirisches Wissen ueber ihre Stellung in der jeweiligen
Gesellschaft,

- die Gerechtigkeit als vollkommene Verfahrensgerechtigkeit
betreffend: unvollkommener.






Fussnoten:

63 Das heisst, ein Problem entsteht dann,
1.
wenn die strikte Befolgung von aus gerechten Prinzipien
abgeleiteten Kollateralprinzipien selbst zu Ungerechtigkeiten
fuehrt und
2.
die teilweise Befolgung oder Nichtbefolgung gerechter Grundsaetze zu
moralischen Asymmetrien fuehrt (Rawls nennt hier als Beispiel
Steuerhinterziehung). Ich betone jedoch, dass diese Probleme
solche der vierten Stufe (full knowledge stage) sind.
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