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Rawls - Theory of Justice: Kapitel 2: Struktur der Theorie - ein Ueberblick
Freigegeben von: Wolfgang Melchior
2. Struktur der Theorie - ein Ueberblick


Rawls? Konzept ist eine Vertragstheorie, die den Maengeln von
liberalistischen, egalitaeren und utilitaristischen Konzepten
Rechnung traegt.13 Die Basis der Rawlsschen Theorie sind nicht,
und darin unterscheidet er sich von streng egalitaeren Ansaetzen
(wie oben eroertert), historische oder oekonomische Theoreme.
Die Ableitung der Prinzipien nimmt weder eine Gleichheit3 an
(weder als Voraussetzung noch als abzuleitendes Prinzip), noch
betrachtet sie (Un)Gleichheit2 als primaer. Moral ist fuer Rawls
die Geltung universeller Ansprueche in Form von Rechten und
Pflichten, die nicht aus historisch-kontingenten Annahmen
hergeleitet werden koennen. Damit ist Rawls? Theorie von Beginn
an und zugegebenermassen praeskriptiv. Sie soll uns sagen, was
unter bestimmten plausiblen Bedingungen (Fairnessprinzip) als
gute Moraltheorie gilt. Gegen den utilitaristischen
Radikalliberalismus gewandt, vertritt Rawls den Standpunkt, dass
Kriterien der Pareto-Optimalitaet und Effizienz nicht zur
Loesung von Gueterverteilungsproblemen ausreichen. Effiziente,
pareto-optimale Verteilungen sind indifferent gegenueber den
Verteilungsunterschieden zwischen den einzelnen Personen. "The
principle of efficiency does not by itself select one particular
distribution of commodities as the efficient one. To select
among the efficient distributions some other principle of
justice, say, is necessary" (TJ 68). Gegen die liberalistische
Tradition gewandt, behauptet Rawls, dass die Universalitaet von
Rechten nicht fuer ein Konzept der Gerechtigkeit ausreichend
ist. Dazu formuliert er die Idee eines
"Vermoegens-Egalitarismus" (Arrow), in der die Faehigkeiten
aller Gesellschaftsmitglieder als Gemeingut betrachtet werden.

Rawls? Grundlage ist das vertragstheoretische Konzept. Nach
vertragstheoretischer Tradition wird von einem Anfangszustand
ausgegangen. Aus diesem werden dann die Prinzipien der
Gerechtigkeit begruendet. Dieser Anfangszustand ist jedoch nicht
ein Hobbesscher oder Lockescher Naturzustand, in dem die
Menschen bereits verschiedene Ziele verfolgen und der auch in
einem historischen Zusammenhang gesehen werden kann (als
geschichtlich urspruenglich)
14, sondern ein abstrakter und
hypothetischer Urzustand (original position), in dem die
Akteure, die Rawls Parteien nennt, kein Wissen von ihren
konkreten Zielen besitzen. Dies wird durch einen "Schleier des
Nichtwissens" bewirkt, dem alle Parteien unterliegen. Diesen
Zustand bezeichnet Rawls als fair, da alle Parteien hinter
diesem Schleier von absolut gleichen Voraussetzungen ausgehen.

Jede Vertragstheorie hat u.a. die Ableitung und Rechtfertigung
von Rechten zum Gegenstand. Rawls unterscheidet zwischen zwei
Arten von universell geltenden Rechten, teilt also den Bereich
der Gleichheit1 in zwei Gruppen: natuerliche Rechte und soziale,
also durch den Vertrag vermittelte Rechte (dies entspricht in
etwa der oben genannten zweifachen Definition von universell).
Jedes Recht besitzt als reziprokes Korrelat Pflichten (das ist
zwar ungenau, jedoch soll dies an dieser Stelle ausreichen).

Sozial vermittelte Rechte sind Gegenstand eines urspruenglichen
Vertrages. Natuerliche Rechte und Pflichten duerfen niemals
Gegenstand eines Vertrags sein. Sie sind das, was Rawls
urspruengliche Grenzen (initial bounds) jeder Theorie der
Gerechtigkeit nennt (dazu gehoeren die natuerliche Pflicht zur
Gerechtigkeit und das Recht auf koerperliche Unversehrtheit).
Begruendet wird die Natuerlichkeit dieser Rechte und Pflichten
einmal durch den Hinweis

- auf unsere Intuition des moralischen Schliessens, in dem wir
auch nicht bei "Null" beginnen wuerden,

- zum anderen auf die anthropologischen Bedingungen moralischen
Schliessens, die bereits gewisse Grenzen setzen wuerden
(gegenseitige gesellschaftliche Abhaengigkeit)

- und zum dritten mit dem schlichten Hinweis, dass aus streng
egoistischen Motivationen niemals ethische Prinzipien ableitbar
seien; natuerliche Rechte und Pflichten formulieren für Rawls
also bestimmte moralischen Bindungen zwischen Menschen, deren
Hinterfragung Ethik selbst unmöglich machen würde.

Rawls? Buch gliedert sich in drei Teile (Theory, Institutions, Ends),
die, bringt man sie in einen systematischen Zusammenhang, das Argument,
seine Anwendung oder Umsetzung und seine Zielrichtung/Absicht beschreiben.
Das Argument versucht im Kern moralische Prinzipien für eine Gesellschaft
als ganze abzuleiten.
Ergebnis dieser Argumentation sind zwei Prinzipien und zwei Vorrangregeln:
15

"First Principle
Each person is to have an equal right to the most extensive
total system of equal basic liberties compatible with a similiar system
of liberty for all.

Second Principle
Social and economic inequalities are to be arranged so that they
are both:
a) to the greatest benefit of the least advantaged,
consistent with the just savings principle, and
b) attached to offices and positions open to all under
conditions of fair equality of opportunity.
First Priority Rule(The Priority of Liberty)
The principles of justice are to be ranked in lexical
order and therefore liberty can be restricted only for
the sake of liberty.
There are two cases:
a) a less extensive liberty must stengthen the total system
of liberty shared by all;
b) a less than equal system of liberty must be acceptable
to those with lesser liberty;
Second Priority Rule (The Priority of Justice over Efficiency and Welfare)
The second principle of justice is lexically prior to the
principle of efficiency and to that of maximizing the sum of advantages; and fair opportunity is prior to the difference principle.
There are two cases:
a) an inequality of opportunity must enhance the opportunity
of those with the lesser opportunity;
b) .....[unwichtig, da es um die gerechte Sparrate geht, die diese Arbeit ausklammern wird]
General Conception
All social primary goods - liberty, opportunity, income and wealth, and the bases of self-respect - are to distributed equally unless an unequal distribution of any or all of these goods is to the advantage of the least favored" (TJ 302/3).




Fussnoten:

13 Ich habe hier den Intuitionismus
unterschlagen, der in einigen Interpretationen von Rawls?
Werk als wichtiger Hintergrund betont wird. Etwa: Wolff
(1976); S. 11: "..the major cognitivist schools were
utilitarianism and intuitionism". Meine Einteilung jedoch
orientiert sich weniger an historischen als an
systematischen Gesichtspunkten.
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14 Vgl. dazu: Alford (1991), Kap. 5, 6;
Seliger (1985); Euchner (1985).
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15 Rawls modifiziert im Laufe der Ableitung
und Anwendung (2. Teil ) immer wieder diese Prinzipien. Ich
gebe hier die volle und endgültige Fassung wieder.
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